Es ist wieder so weit: Seit 10.45 Uhr laufen die Uhren im großen Saal des altehrwürdigen Friedberger Schlosses – das 4. Freundschachts-Open der Schachfreunde Augsburg hat begonnen. Nachdem für den Berichterstatter zwischenzeitlich noch ein Notebook organisiert werden konnte, berichten wir an dieser Stelle ab sofort wieder live für Euch aus dem Turniersaal. Bleibt dran!
Nach gut 60 Minuten sind fünf Partien bereits beendet, bislang ausschließlich Favoritensiege: An Brett 16 schlägt Nachwuchsspieler Moritz Ramming vom SK Kelheim, vor zwei Monaten noch bei den Bayerischen Herren-Einzelmeisterschaften im Einsatz, mit Schwarz Simon Schaad vom SK Keres Augsburg. An Tisch 53 obsiegt Valentino Fendt vom SK Friedberg über seinen Vereinskollegen Finn Liebsch. Auf Brett 57 gab es einen Weißsieg der jungen Sarah Vignesh vom SK Germering gegen Madhushri Raghavan von den SF München. An Tisch 60 bezwingt Lokalmatador Nikoloz Bregvadze mit Schwarz den jungen Arjun Abhilash von den SF Dachau. In der Begegung an Brett 65 zwischen Ricardo Ueberschär und Sebastian Hartl-Kalies wiederum verlässt der Anziehende den Platz als Sieger.
Die erste Runde ist auch im beschleunigten Schweizer System naturgemäß die Runde mit den nach TWZ-Wertung größten Spielstärkeunterschieden in den Paarungen. An Tisch 1 kämpft Kadir Özden von Zugzwang München, seines Zeichens AIM (Arena International Master), mit Schwarz gegen den Vorjahressieger und Setzlistenersten GM Li Min Peng von den Schachfreunden Wolfhagen. Aus einer russischen Verteidigung heraus ist nach 24 Zügen eine scharfe Stellung entstanden, in der Schwarz gegenwärtig über einen Mehrbauern verfügt und auf beiden Seiten jeweils eine Leichtfigur hängt. Kadir ist mit seinem Turm auf die zweite Reihe vorgedrungen, GM Peng hat ein bedrohlich wirkendes Bauernpärchen e5/f5 installiert und überlegt gerade an der besten Fortsetzung.

GM Peng – AIM Özden nach Zug 24: Die mobilen weißen Bauern im Verbund mit dem Läuferpaar bildeten das Unterpfand für den späteren Sieg des Setzlistenersten.
Brett 2 sieht die Begegnung zwischen dem Vorjahreszweiten IM Vadym Petrovskiy, ebenfalls von den Schachfreunden Wolfhagen, und Nachwuchsspieler Johannes Wolfmaier junior vom TSV Trostberg. Johannes hat die Partie mit dem Colle-System solide angelegt; nach 20 Zügen ist hier noch nicht allzu viel passiert, mit Ausnahme eines leichten Raumvorteils aufseiten des Nachziehenden. Hier dürfte IM Petrovskiy wohl noch eine längere Aufgabe bevorstehen.
Tisch 3 bietet den Kiebitzen ein Duell mit Augsburger Beteiligung. Lokalmatador Quang Bach Duong setzt Erik Schaffer von den SF Dachau schwer zu: Nach etwas mehr als 20 Zügen stehen für den Anziehenden zwei gesunde Mehrbauern und ein Zeitplus von 25 Minuten zu Buche. Außerdem ist der schwarze König auf f8 gefährdet und der Turm auf h8 außer Spiel. Das sieht sehr gut aus für den jungen Augsburger.
Und da ist die Partie auch bereits beendet: Im 26. Zug reicht Erik Schaffer die Hand zur Aufgabe. Quang dürfte mit seiner Partie zufrieden sein und sichert sich mit diesem Sieg einstweilen den Platz an der Sonne.

Hier hatte der Nachziehende genug gesehen in Duong – Schaffer.
An Brett 15 treffen mit Wladislaw Berlizov und Christian Gunchev zwei Spieler aufeinander, denen das Friedberger Pflaster aus dem vergangenen Jahr noch in guter Erinnerung geblieben sein dürfte. In einem Läuferspiel steht das Material gleich, doch haben die weißen Figuren aktivere Posten bezogen als ihre schwarzen Gegenstücke und es winken Angriffsaussichten am Königsflügel. Das Ganze sieht unangenehm zu spielen aus für Christian, der gerade länger in die Stellung abtaucht.

Angenehmes Spiel für Weiß in Wl. Berlizov – Gunchev.
Zwischen Jonas Röß und Dr. Matthias Rinderle an Tisch 26 wird seit dem fünften Zug ein Endspiel geübt: Zur Debatte steht die Philidor-Verteidigung mit frühem Damentausch. Beide Könige sind hier in der Mitte verblieben. Schwarz muss noch einen Weg finden, seinen Damenläufer zu aktivieren; auf der halboffenen h-Linie könnte sich Gelegenheit bieten, eine weiße Bauernschwäche zu belagern.
An Brett 40 wird den Zuschauern ein Damengambit geboten, in dessen weiterem Verlauf der Nachziehende sukzessive am Damenflügel vorrückt, während Weiß im Schutze seines Vollzentrums einen Königsangriff aufzieht. Als der Berichterstatter am Brett vorbeikam, zog Stephan Bichlmeier gerade überzeugt Le3-h6 und nach g7-g6 dann Dg4-f4, um dem schwarzen Monarchen zu Leibe zu rücken. Hier könnte es jetzt schnell zu Ende gehen.

Dunkle Wolken brauen sich über dem schwarzen Monarchen zusammen bei Bichlmeier – Kohl.
Und so kommt es auch, Ingo Kohl streckt wenige Minuten später die Waffen und gratuliert seinem Kontrahenten zum Sieg. Hier hat der nominelle Außenseiter den vollen Punkt eingeheimst.
Ein interessantes Bild gibt es an Brett 45 zu erspähen: In der kurzen Rochadestellung des Nachziehenden befindet sich auf dem Feld h7 nicht etwa ein „geparkter“ Läufer, sondern ein schwarzer Turm, der dort verständlicherweise nicht besonders am Spielgeschehen mitwirkt. Henri Wittenberger, der mit Ohrschützern spielt, wird sich über seinen Quasi-Mehrturm bei formal gleichem Material gewiss freuen, ebenso über seinen Freibauern auf b5.
Ein vereinsinternes Nachwuchsduell der Schachfreunde Augsburg bietet sich auf Tisch 71: Adrian Sommer kämpft hier mit Weiß gegen Sofija Isaković. Der wertungsmäßige Außenseiter hat sich einen Mehrspringer auf c3 erspielt, der allerdings in einer lästigen Fesselung an den König auf b2 steckt. Ihr Freibauer auf d2 ist ein Trumpf im Ärmel der Schwarzspielerin, doch im Moment muss sich ihr König der Schachgebote der weißen Dame erwehren.
Während der Abfassung der letzten Absätze sind einige Ergebnisse eingetrudelt: An den Brettern 1 und 2 werden Favoritensiege von GM Li Min Peng und IM Vadym Petrovskiy gemeldet. In letzterer Begegnung wäre Johannes Wolfmaier junior im Mittelspiel taktisch ein Bauer abhandengekommen. Als er diesen zu halten versuchte, musste er IM Petrovskiy einen Einbruch in die weiße Stellung gestatten, wonach dieselbe alsbald zusammenbrach.

Ein kleiner taktischer Trick bei Wolfmaier junior – IM Petrovskiy.
Auch bei Sommer – Isaković an Tisch 71 setzt sich die Favoritin gegen ihren Vereinskameraden durch. Adrian schlug das Remis durch Dauerschach aus und versuchte, die Fesselung seines Springers aufzuheben, doch übersah er dabei offenbar, dass die auf d1 neu erscheinende Dame ihre Kollegin auf d4 deckt. Danach war die Messe dann schnell gelesen.

Mit dem Damenpendel zwischen b7 und b8 hätte Weiß in Sommer – Isaković einen halben Punkt sichern können. Nach 47.Da4 hingegen erschien eine zweite schwarze Dame auf dem Brett.
Wladislaw Berlizov ist es gelungen, seine strategischen Vorteile in einen Qualitätsgewinn für einen Bauern umzumünzen. Christian Gunchevs Bauer auf d4 stellt nun eine logische Zielscheibe für die weißen Schwerfiguren dar. Hier läuft für den Wertungsfavoriten augenscheinlich alles nach Plan.
Zwischen Röß und Dr. Rinderle an Tisch 26 geht es nach wie vor nur langsam voran. Beiden Kombattanten verbleiben in einem schwerblütigen Manövrierkampf nur noch jeweils etwas mehr als 20 Minuten für mehr als 20 Züge bis zur Zeitkontrolle. Der schwarze Damenflügel harrt weiterhin seiner Entwicklung; zudem dürfte die „ewige“ Fesselung des schwarzen Springers auf f6 an den König auf e7 für den Nachziehenden ein Ärgernis sein.
Henri Wittenberger meldet Vollzug gegen Sian Kalva: Er treibt den schwarzen König ins offene Feld und setzt diesen im 31. Zug auf g4 matt.

Das Ende bei Wittenberger – Kalva: Der unglückliche schwarze Turm auf h7 konnte seinem Monarchen nicht zur Hilfe eilen.
Nach gut 3¼ Stunden Spielzeit sind rund zwei Drittel der Begegnungen beendet. Vor allem im vorderen Viertel des Turniersaals wird jedoch nach wie vor hart gerungen.
Bei Wl. Berlizov – Gunchev ist die Zeitkontrolle geschafft. Weiß spielt mit Turm und vier Bauern gegen Läufer und fünf Bauern, darunter ein Doppelbauer. Der Anziehende hat hier noch etwas Arbeit vor sich, darf sich aber berechtigte Hoffnungen auf einen gelungenen Turnierstart machen.
An Brett 26 ist die Stellung explodiert: Als der Berichterstatter wieder ans Brett kam, standen zwei schwarze Mehrtürme auf dem Brett. Einen davon hätte Jonas Röß zurückschlagen können, doch ob der resultierenden hoffnungslosen Stellung suchte er sein Heil in der Flucht nach vorne, gestützt auf seine Leichtfiguren und einen Freibauern auf g7. Dies dürfte sich allerdings als ein ebenso aussichtsloses Unterfangen erweisen, denn der schwarze König steht auf e6 sicher und zwei Türme sind „ein ganzer Haufen Holz“.
Und so kommt es auch: Nur wenige Minuten später händigt Dr. Matthias Rinderle die Partieformulare beim Schiedsrichtertisch ein. Jonas Röß hatte in einer Schlagfolge ein Zwischenschach übersehen, wonach die Partie nicht mehr zu retten war. Damit steht also ein weiterer Favoritensieg in der Auftaktrunde zu Buche; aktuell laufen noch rund ein Dutzend Partien.

Die Schlussstellung mit einem netten Mattbild bei Röß – Dr. Rinderle.
Einen Königsmarsch bekommen die Zuschauer an Tisch 17 zwischen Lokalmatador Robert Vučković und Dr. Michael Tsiapouris von Rochade Augsburg zu sehen: Der schwarze Monarch musste bis nach g4 fliehen und dürfte fernab seiner Figuren nicht lange überleben können. Zudem kann der Anziehende auch einige Mehrbauern sein Eigen nennen.
Bei Benedikt Heller – Johannes Dombert an Brett 21 steht der schwarze Monarch ebenfalls im Feuer. Sollte er eine Atempause bekommen, könnte der Nachziehende allerdings selbst den weißen König attackieren, an dessen lange Rochadestellung ein Bauer auf b3 sowie die schwarze Dame-Turm-Batterie bereits anklopfen. Obendrein verfügt Johannes über eine Mehrfigur. Benedikt dürfte folglich kein Interesse daran haben, hier den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Robert Vučković gewinnt gegen Dr. Michael Tsiapouris. Fünf Partien laufen noch.
Da waren es nur noch drei: Johannes Dombert bezwingt den höher gewerteten Benedikt Heller und Emanuel Kaufmann rettet trotz Minusbauer ein Remis gegen Dr. Alexander Tsiapouris.
Ebenfalls mit einem Remis endet in diesem Moment die Begegnung zwischen Emanuels Vater Kurt Kaufmann und dem jungen Arthur Sitnik vom SK Kelheim. „Unentschieden“ wird das Ergebnis in Kürze auch bei Johann Sellmayr und Dominik Bachhuber lauten, da der weiße Mehrbauer angesichts der schwarzen Kontrolle über die Schlüsselfelder nicht zu verwerten ist.
Das erwartete Remis ist eingetreten. Die letzte Partie der ersten Runde wird an Tisch 15 zwischen Wladislaw Berlizov und Christian Gunchev ausgefochten, wobei die Zeit bei beiden inzwischen knapp ist.
Und in diesem Augenblick endet die Partie mit einem hart erarbeiteten Weißsieg von Wladislaw Berlizov. Damit ist die erste Runde abgeschlossen und bereits in 25 Minuten sollen die Bretter zur zweiten Runde freigegeben werden, die bereits ausgelost und im Internet veröffentlicht ist. Um dieses Ziel zu erreichen, werden nun alle Hände in der Turnierleitung gebraucht. Wir sehen uns nachher wieder!


Schreibe einen Kommentar