Einen wunderschönen guten Morgen aus dem Wittelsbacher Schloss zu Friedberg! Pünktlich um 9 Uhr startet Hauptschiedsrichter Fabian Wölfle die 3. Runde und die Uhren werden in Gang gesetzt. Nicht alle Schachfreunde sitzen schon an ihren Brettern, doch bei einer Stunde Karenzzeit stellt das kein Problem dar. Wir berichten für Euch wieder live aus dem großen Saal vom Geschehen auf den 64 Feldern, die die Welt bedeuten.
Nach 25 Minuten erreicht uns bereits das erste Ergebnis: An Tisch 52 besiegt Maximilian Buchhammer seinen Kontrahenten Mario Müller in gerade einmal 17 Zügen und hat jetzt Gelegenheit, sich ausgiebig die Stadt anzuschauen.
Spannende Paarungen haben sich an den ersten drei Brettern ergeben. GM Li Min Peng eröffnet gegen den Beilngrieser Stanislaw Berlizov, der seine Zähigkeit schon mehr als einmal unter Beweis gestellt hat, mit dem Doppelschritt des Königsbauern. Stanislaw denkt kurz nach und entscheidet sich dann für die solide Französische Verteidigung. Der Großmeister wählt die Abtauschvariante, geht dann aber aggressiv am Damenflügel zu Werke.
IM Vadym Petrovskiy bekommt es am zweiten Tisch mit Maximilian Dauer von der Spielgemeinschaft Kötz/Ichenhausen zu tun. Den d6-Sizilianer des Meisters bekämpft Maximilian im Geiste Michael Adams mit 3.Lc4, was das Spiel bereits von vertrauten Theoriepfaden abbringt und eher einen geschlossenen Stellungstyp im spanischen Stil verspricht.
Ein Duell zweier Nachwuchshoffnungen wird den Zuschauern an Brett 3 geboten: Lokalmatador Quang Bach Duong nimmt es mit Moritz Ramming vom SK Kelheim auf. In einem sizilianischen Vierspringerspiel steht Quangs König bald auf f3, was zunächst etwas ungewöhnlich anmuten mag; dem Zeitverbrauch der beiden Kombattanten nach zu urteilen, befinden sie sich aber noch in ihrer häuslichen Eröffnungsvorbereitung. Diese Partie sollte man im Auge behalten.
Ein frühes Endspiel üben Lokalmatador Robert Vučković und FM Nikolas Schenk-Pogan an Tisch 6. In der Caro-Kann-Verteidigung werden schnell die Damen getauscht und bei symmetrischer Bauernstruktur entspinnt sich ein Manövrierkampf um die besseren Positionen für die eigenen Leichtfiguren. Wer Positionsschach liebt, sollte hier vorbeischauen.
An Tisch 21 beharken sich Benedikt Heller von den SF München und Maximilian Hartl vom TSV Landsberg. In einer Pirc-Ufimzew-Verteidigung gestattet Maximilian seinem Gegner, seinen e-Bauern bis nach e6 vorzustoßen – ein Bauernopfer zwar, doch eines, das in aller Regel für den Nachziehenden nichts Gutes verheißt, da die schwarze Struktur nachhaltig geschwächt wird. Benedikt wirkt zufrieden mit seiner Stellung.
Überschlagen haben sich die Ereignisse an Tisch 38 zwischen Wolfgang Koelbl und Daniel Kossa. In einem Londoner System, bisweilen als „trockene Remis-Eröffnung“ verschrien, hat der Nachziehende früh Öl ins Feuer gegossen und unter Figurenopfer den Turm in der Ecke mit seiner Dame erobert. Der Preis dafür war allerdings hoch, denn Weiß bekämpfte Feuer mit Feuer und nutzte die Abwesenheit der schwarzen Königin aus, um seinerseits deren Gemahl ins Visier zu nehmen. Inzwischen hat Wolfgang Koelbl seinen Turm zurückgewonnen und damit momentan eine Leichtfigur mehr, doch hängen bei ihm auch deren zwei. Beide Königsflügel sind praktisch unentwickelt; vor allem aber ist der schwarze Monarch sehr schwach. Es macht Spaß, hier zuzuschauen.

Das Londoner System ist langweilig? Nicht so bei Koelbl – Kossa an Tisch 38.
An Brett 75 duellieren sich zwei unserer Open-Gäste der ersten Stunde: Johannes Bosch mit Weiß gegen Peter Heil mit den schwarzen Steinen. Gegen den Damengambit-Aufschlag schickt Peter seine geliebte Holländische Verteidigung ins Rennen und kann im frühen Mittelspiel auf gute Zentrumskontrolle und einen Vorpostenspringer auf d4 verweisen. Seine Königsstellung weist ein paar weißfeldrige Schwächen auf, doch scheint der Anziehende dies einstweilen nicht ausnutzen zu können.
Leider gab es in dieser Runde drei kampflose Verlustpartien wegen Nichtantretens. Außerdem musste gerade eine Partie wegen einer Smartwatch, die in einer Tasche Geräusche von sich gab, genullt werden. An dieser Stelle noch einmal der dringende Appell, elektronische Geräte vollständig auszuschalten.
In der Spitzenbegegnung hat GM Peng nach seinen Damenflügelbauern nun auch seinen g-Bauern in die schwarze Bretthälfte vorgestoßen, trotz eigenem kurz rochierten König. Seinem Läuferpaar kommt die offene Stellung prinzipiell zugute; zudem ist der schwarze Springer auf b8 bisher noch nicht aus seinem Stall gekommen. Stanislaw Berlizovs Dame bedroht allerdings gerade den weißen Bauern auf h3, zu dessen Verteidigung sich der Anziehende angesichts der geschwächten Felder am Königsflügel möglicherweise etwas verkünsteln muss.
Maximilian Dauer hat an Tisch 2 ein Figurenscheinopfer gebracht, um den investierten Läufer mittels Bauerngabel unmittelbar zurückzugewinnen. IM Petrovskiy antwortet mit einem Zwischenzug, den Weiß aber gewiss einkalkuliert hat. Der weiße Zentrumsbauer auf d4 könnte im weiteren Verlauf vielleicht einmal schwach werden, doch entschieden ist hier noch lange nichts.
An Brett 3 gebietet Quang Bach Duong über einigen Raumvorteil. Der schwarze Bauer auf d7 ist rückständig, die weiße Dame eben auf e7 aufgetaucht. Moritz Ramming zeigt sich indes wenig beeindruckt und schickt sich an, seinerseits mit der Dame den weißen König auf f3 zu behelligen.
FM Schenk-Pogan musste an Tisch 6 einen Doppelbauern auf h7/h6 hinnehmen. Auch der weiße Springer auf c4 wirkt gefälliger als der formal schlechte schwarze Läufer auf e7. Das Spiel entwickelt sich hier nach wie vor sehr gediegen, aber Robert Vučković dürfte bis hier mit dem Partieverlauf sehr einverstanden sein.
Ähnlich müsste es Benedikt Heller an Brett 21 ergehen: Infolge seines Bauernvorstoßes nach e6 sind in Maximilian Hartls Position weißfeldrige Schwächen entstanden; auch der schwarze König auf f7 sowie der isolierte Bauer auf e6 sind anfällig. Ein logischer Plan für den Anziehenden könnte nun darin bestehen, den Zug f4-f5 durchzusetzen, um die Zugstraßen Richtung schwarzem Monarchen vollends zu öffnen.
Bereits beendet ist die Schlacht an Tisch 38: Als sich der Pulverdampf gelegt hatte, war Wolfgang Koelbl mit einer gesunden Mehrfigur aus den Verwicklungen hervorgegangen. Sein Gegenüber Daniel Kossa sah rasch ein, dass weiterer Widerstand hier vergebene Liebesmühe sein würde, und reichte die Hand zur Aufgabe. Wolfgang steht damit bei 2/3 und darf nun erst einmal eine lange Mittagspause genießen.

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