Guten Morgen aus dem großen Saal im Wittelsbacher Schloss zu Friedberg! Auf die Minute genau um 9 Uhr gibt Hauptschiedsrichter Fabian Wölfle das Signal zum Starten der Uhren. Rund 160 Schachspielerinnen und Schachspieler werden während der nächsten Stunden nun ein weiteres Mal über den besten Zügen brüten. Erste Vorentschiedungen werden heute fallen; wir begleiten die Partien für Euch in unserem Liveblog.
Am Spitzenbrett treffen heute Vormittag die beiden einzigen Spieler mit optimaler Punkteausbeute aufeinander: GM Li Min Peng und IM Vadym Petrovskiy, beide von den Schachfreunden Wolfhagen. Wie bei diesem Duell zwischen Trainer und Schüler durchaus erwartbar, kommt es in einer Spanischen Partie bereits nach rund 20 Minuten zum Friedensschluss durch Zugwiederholung. Mit jeweils 4½/5 haben die beiden einstweilen einen ganzen Punkt Vorsprung auf ihre vier ärgsten Verfolger Rafael Martin Fernandez, FM Nikolas Schenk-Pogan, Dominik Bachhuber und Jens Plathen. Während Jens in dieser Runde ein Bye genommen hat, könnten die anderen nach Punkten aufschließen, so sie ihre Partien gewinnen. Wir sind gespannt, welches Risiko die Spieler bereit sind einzugehen.

GM Peng – IM Petrovskiy: Beginnend mit 24.Dh6+ Kg8 25.Dh4 Kg7 wurden hier die Züge wiederholt.
An Tisch 2 zwischen Rafael Martin Fernandez und FM Nikolas Schenk-Pogan wird die Vorstoßvariante der Caro-Kann-Verteidigung mit frühem Lf5 diskutiert. Schwarz hat den weißen Spitzenbauern auf e5 soeben mit f7-f6 angegriffen; Rafael denkt über seinen Gegenzug nach.
Eine Königsindische Verteidigung steht zwischen Lokalmatador Quang Bach Duong und Dominik Bachhuber aus Mittelfranken auf dem Brett. Der Anziehende hat auf das übliche d4-d5 verzichtet und bereits 30 Minuten Zeitvorsprung auf der Uhr – augenscheinlich kennt Quang sich hier bestens aus. Thematisch ist er mit seinen Bauern am Damenflügel vorgegangen, während sein Kontrahent die Königsflügelbauern nach vorne beordert hat. Der schwarze Fianchettoläufer ist schon in die Figurenkiste gewandert; der Nachziehende bereitet gerade offenbar einen Turmschwenk auf die g-Linie vor. Hier dürfte sich ein scharfes Spiel ergeben.
Scharf geht es jedenfalls an Tisch 19 zu, wo Oda Lorenz gegen den nominell über 200 Wertungspunkte stärkeren Lokalmatador Alexander Schindler unerschrocken das Marshall-Gambit ausgepackt hat. Gerade hat sie mit ihrem Springer in die weiße Königsstellung auf h2 eingeschlagen, welchen leben zu lassen der Weißspieler sicher gut beraten war, hätte sich doch sonst die schwarze Königin mit Tempo in den Angriff einschalten können. Dem weißen König mangelt es sichtlich an Figurenschutz und Alexander muss aufpassen, dass die Annahme des Gambitbauern für ihn hier nicht nach hinten losgeht.
Brett 6 sieht die Vorstoßvariante der Französischen Verteidigung. Früh hat Niklas Stark den Damenflügel mit c5-c4 abgeschlossen und ist dort mit den Bauern vorgegangen. Sein Gegenüber Vincent Blodig hat demgegenüber am Königsflügel die Bauern ins Rennen geschickt. Perspektivisch beinhaltet der weiße Spielplan gewiss den Hebel f4-f5.
Félix Martin Fernandez hat es wie sein älterer Bruder mit der Caro-Kann-Verteidigung zu tun bekommen und ebenfalls die Vorstoßvariante gewählt. Daniel Markovic entwickelt analog zu FM Schenk-Pogan früh seinen Läufer nach f5; anders als an Tisch 2 gestattet der Nachziehende dann allerdings das positionelle Bauernopfer e5-e6 und Félix lässt sich nicht zweimal bitten. Für den geopferten Bauern kann er nun seine Figuren besser koordinieren als Schwarz; wir sind gespannt, wie der junge Erlanger die Sache anpacken wird.
An Brett 60 sind Siegfried Mankus, ebenfalls ein Stammgast unseres Turniers, und Maxim Weinberger aus der großen Kelheimer Delegation in einem gleichfarbigen Läuferendspiel gelandet. Siegfried verfügt über einen Mehrbauern, doch handelt es sich dabei um einen Doppelbauern auf der g-Linie. Auf Sieg spielen kann hier nur der Anziehende, doch wird es für den vollen Punkt reichen?
An Tisch 2 ist ein schwarzer Doppelbauer auf f7/f6 entstanden, der jedoch dem weißen Springer sämtliche Stützpunkte im Zentrum verleidet. Bedeutender dürfte allerdings die halboffene g-Linie sein, die FM Schenk-Pogan für einen Angriff gegen den weißen König zu nutzen bestrebt sein wird, während sein eigener Monarch am Damenflügel einstweilen völlig sicher steht. Zeitlich liegt Rafael Martin Fernandez hier rund 20 Minuten vorne.
Eine gute Dreiviertelstunde mehr Bedenkzeit auf der Uhr hat Quang an Brett 3. Zudem nennt er einen gesunden Mehrbauern sein Eigen. Dominik Bachhuber sucht angestrengt nach einer brauchbaren Fortsetzung, doch scheinen seine Aussichten in dieser Partie nicht allzu rosig zu sein.
Niklas Stark hat eine Qualität an Vincent Blodig abgetreten.

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