Auf geht’s zur 2. Runde!

Um 16.04 Uhr gibt Hauptschiedsrichter Fabian Wölfle die Nachmittagsrunde des heutigen Samstags frei. Die Uhren laufen wieder im Wittelsbacher Schloss zu Friedberg.

Nach einer guten halben Stunde kündigt sich am Spitzenbrett ein scharfer Kampf an: GM Li Min Peng hat im Drachensizilianer seinen b-Bauern von der Kette gelassen und schickt sich an, den a-Bauern noch hinterherzuschicken. Dem weißen Läufer auf b3 dürfte diese Aussicht wenig behagen, ebenso wenig dem lang rochierten weißen König von Cagan Arhan Hotman. Der typische weiße Angriff am Königsflügel ist bislang noch nicht in Gang gekommen.

An Tisch 2 wird ebenfalls Sizilianisch diskutiert, hier allerdings die Rossolimo-Variante. Zur Debatte steht die prinzipielle Frage, ob der schwarze Doppelbauer auf c7/c6 oder aber das Läuferpaar des Nachziehenden auf lange Sicht den Ausschlag in die eine oder andere Richtung geben werden. Wir bleiben dran bei IM Vadym Petrovskiy – Dr. Johannes Najjar.

Ein prinzipieller Kampf steht auch am dritten Brett bevor, wo Lokalmatador Quang Bach Duong dem die weißen Steine führenden Ulrich Junger die sogenannten „hängenden Bauern“ auf c4 und d4 aufgebürdet hat. Diese Bauernformation kann bekanntlich stark oder schwach sein und wir dürfen gespannt sein, wie sich die Dinge hier im weiteren Verlauf entwickeln werden; der Berichterstatter wäre eher der schwarzen Stellung zugeneigt.

Ein Eröffnungsunfall hat sich augenscheinlich an Tisch 17 ereignet, wo Ulrich Krämer die Dame von Stephan Bichlmeier eingefangen hat. Die erste beendete Begegnung dieser zweiten Runde stammt damit überraschenderweise aus dem vordersten Viertel der Bretter.

Die schwarze Dame ist gefangen bei Krämer – Bichlmeier.

An Brett 11 packt Jan Kermer gegen Stanislaw Berlizov, einen der Überraschungsspieler des Vorjahres, das Wolga-Gambit aus. Stanislaw lehnt den angebotenen Bauern ab und entscheidet sich für eine positionelle Herangehensweise, in deren Folge beide Seiten einen Springerstützpunkt auf der b-Linie erhalten. Am Damenflügel scheint einstweilen kein Durchkommen zu sein; möglicherweise lässt sich stattdessen ja im Zentrum etwas arrangieren.

Ein Duell zweier Veteranen bekommt das Publikum an Tisch 41 geboten: Michael Iberl von den SF Dachau duelliert sich mit Gerhard Späth vom SV Thalfingen. Späth, der im Jahr 2018 die Gruppe D der Amateur-WM in der Altersgruppe 50+ für sich entscheiden konnte, setzt auf aktives Figurenspiel; sein Gegenüber wird versuchen, im passenden Moment eine Isolani-Struktur herbeizuführen und diesen dann zu belagern.

Zwei der vielen Begegnungen „Jung versus Erfahren“ unseres 4. Freundschachts-Opens laufen in dieser Runde auf den Brettern 53 und 67. Am ersteren stürmt Daniel Schwarzbauer De Vanna beherzt mit seinen Königsflügelbauern auf die Fianchetto-Rochadestellung von Aleksandar Durovic los. Die Aktion erscheint gerechtfertigt, denn schwarzes Gegenspiel auf der anderen Seite des Brettes ist nicht zu sehen.

Eine der jüngsten Teilnehmerinnen im Feld sitzt an Tisch 67 dem erfahrenen Dr. Mohammad Azzam Rida Belal gegenüber. Oder besser gesagt: Sie steht ihm gegenüber, denn ihren Stuhl benutzt die junge Spielerin eher sporadisch. Auf dem Brett ist ein Turmendspiel mit jeweils fünf Bauern entstanden, in welchem Weiß über einen Freibauern auf h6 gebietet. Man darf gespannt sein, wie Yatan Liu diesen Trumpf einsetzen wird.

Von den ersten beiden Brettern erreichen uns nach 90 Minuten bereits die Ergebnismeldungen: In beiden Fällen konnte sich der Favorit durchsetzen, sodass sowohl GM Li Min Peng als auch IM Vadym Petrovskiy den ersten Turniertag mit malellosen 2/2 beenden.

GM Peng eroberte dabei kurz nach dem Damentausch taktisch einen Bauern und baute seinen Vorteil dann mit aktivem Figurenspiel weietr aus, bis sein junger Kontrahent genug gesehen hatte.

Die Endstellung bei Hotman – GM Peng.

IM Vadym Petrovskiy legte mit einem Springeropfer den Finger in die Wunde bei Schwarz, den in der Mitte verbliebenen König. Dr. Johannes Najjar konnte sich nicht dazu durchringen, dieses zweifelhafte Geschenk anzunehmen, doch wurden die Probleme des Nachziehenden dadurch nicht geringer, im Gegenteil. Sieben Züge später war das „1:0“ dann unterschriftsreif.

Diesen kecken weißen Springer aus IM Petrovskiy – Najjar will man als Schwarzer nicht wirklich schlagen, aber dann folgt Sc7+…

Quang Bach Duong hat an Tisch 3 unter Aufgabe seines Läuferpaars unmittelbar einen der beiden hängenden Bauern eingesteckt, entschlossen, eine vorübergehende weiße Initiative auszuhalten. In der Abwicklung, die der Berichterstatter gerade beobachten konnte, ist Ulrich Junger nun eine Figur abhandengekommen, die sein Freibauer auf d6 nicht kompensieren kann. Auch Quang sollte hier demnächst seinen zweiten vollen Punkt verbuchen können.

Bereits beendet ist der Kampf an Brett 41: Michael Iberl trägt hier den Sieg über einen ehemaligen Weltmeister davon. Gerhard Späth unterlief ein taktisches Versehen, wonach es mit der schwarzen Stellung steil bergab ging. Sechs Züge später wurden dann bereits die Hände geschüttelt.

Die Fesselung seines a-Bauern ignorierte Michael Iberl hier einfach und schlug Gerhard Späths Läufer auf b4, wonach sich die Waagschale deutlich zu seinen Gunsten neigte.

An Tisch 67 hat Yatan Liu mit Weiß ein Turmendspiel mit Mehrbauer erreicht. Alle Bauern befinden sich am Damenflügel; der Monarch des Nachziehenden ist dagegen vorläufig am Königsflügel gestrandet. Hier könnten sich Siegchancen für die Nachwuchsspielerin ergeben.

Bei St. Berlizov – Kermer gibt es nach wie vor einen Figurenklumpen am Damenflügel zu bestaunen: Der Anziehende hat einen Läufer auf c4 und einen Springer auf b5 eingepflanzt, unterstützt von zwei Bauern auf b3 und a4. Bei Schwarz stehen zwei Springer auf b4 und b6 sowie ein Läufer auf a6, unterstützt von zwei Bauern auf a5 und c5 – wahrlich ein pittoresker Anblick.

Die Leichtfiguren ballen sich am Damenflügel bei St. Berlizov – Kermer.

Von Brett 3 wird Vollzug gemeldet: Quang Bach Duong besiegt Ulrich Junger und schließt zu den beiden Spitzenreitern auf.

Mit 20.Dd1 statt 20. Txe7 wäre bei Junger – Duong wohl trotz Figurenverlust noch etwas zu machen gewesen, so aber ging es rasch zu Ende.

Yatan Liu kommt freudestrahlend zum Turnierleitertisch und gibt die Formulare ab. Sie gewinnt ihr Turmendspiel gegen den um 200 Wertungspunkte höher eingestuften Dr. Mohammad Azzam Rida Belal und steht damit nun bei 50 Prozent der bislang vergebenen Punkte. Ein schöner Erfolg für die Nachwuchshoffnung von Zugzwang München.

Die nächsten vier Züge von Yatan Liu: c4, c5, c6, c7.

Bei St. Berlizov – Kermer haben sich nach wie vor drei Leichtfiguren auf der b-Linie häuslich eingerichtet. Schwarz hat das weiße Zentrum mit e7-e6 angehebelt, wodurch sich für ihn die halboffene f-Linie ergeben hat, für Weiß dagegen Angriffschancen gegen das schwarze Bauernzentrum, insbesondere den rückständigen Bauern auf d6, sowie in diagonaler Richtung gegen die schwarze Königsstellung. Insgesamt scheint Weiß hier also mehr von der Strukturveränderung profitiert zu haben, doch die Stellung ist dynamisch. Bis zur Zeitkontrolle sind noch 20 Züge zu machen – exakt so viele, wie dem Nachziehenden noch Minuten zur Verfügung stehen.

Daniel Schwarzbauer De Vanna hat in seiner Begegnung mit Aleksandar Durovic eine Qualität erobert. Am Königsflügel hat er sich zwar einstweilen festgelaufen, doch das Materialplus wird ihn dafür sicherlich mehr als entschädigen. Der Nachziehende kämpft außerdem mit schwerer Zeitnot, doch wirkt er fest entschlossen, seinem jungen Gegenüber die Vorteilsverwertung hier nicht zu einfach machen zu wollen.

Einen spannenden Kampf gibt es bei Peter Nagy – Vincent Blodig an Tisch 7 zu bestaunen. Nach ruhiger Eröffnung, aus welcher heraus Weiß durchgehend angenehmer zu stehen schien und dann sukzessive am Damenflügel vorrückte, hat Schwarz nun eine Figur geopfert, um das Heft des Handelns an sich zu reißen und dem weißen König am anderen Flügel zu Leibe zu rücken. Allerdings verbleiben dem Lokalmatador hier nur noch rund zwei Minuten plus Inkrement für etwa zehn Züge bis zur Zeitkontrolle. Vorbeischauen lohnt sich definitiv!

Nagy – Blodig nach dem 38. Zug von Weiß: Die Maschine zeigt stoisch 0.00 an…

Die Zeitnot ist geschafft bei Nagy – Blodig: Zeit für ein Stück Kuchen für Vincent, der Angriff und Verteidigung auch mit Sekunden auf der Uhr zu kombinieren verstand. Ein Durchkommen hat er bislang allerdings nicht gefunden, da Peter Nagy seinen König mit Mann und Maus verteidigt und auch der schwarze König anfällig steht. Zuschauen lohnt sich hier auch weiterhin.

Stanislaw Berlizov hat zwischenzeitlich den schwarzen Bauern auf a5 einkassiert. Er macht weiter Druck auf die Position des Nachziehenden.

Aleksandar Durovic setzt Daniel Schwarzbauer De Vanna im Endspiel ziemlich zu. Sein aktiver König hat sich tief in die weiße Stellung vorgearbeitet und lässt dem Anziehenden keine Ruhe, da dessen Bauern verwundbar sind. An Daniels Gesichtsausdruck lässt sich ablesen, dass er sich den Gang der Ereignisse hier wohl etwas anders vorgestellt hatte.

Von Tisch 11 wird uns ein Weißsieg gemeldet: Stanislaw Berlizov obsiegt in einer Partie, in der er stets die Kontrolle über die Stellung zu haben schien. Schließlich entschieden zwei verbundene Freibauern auf der a- und b-Linie zugunsten des jungen Ukrainers, der nun wie sein Bruder Wladislaw bei perfekten 2/2 steht.

An Brett 7 bezwingt Peter Nagy Lokalmatador Vincent Blodig. Nachdem er im vergangenen Jahr bei gleicher Farbverteilung noch eine Remisstellung überzogen hatte, gelingt ihm nun die Revanche. 100 Prozent nach dem ersten Tag damit auch für Peter.

Ein halbes Dutzend Partien laufen aktuell noch. Eben zu Ende gegangen ist die Begegnung an Tisch 53: Hier hat sich letztlich doch die Jugend in Person von Daniel Schwarzbauer De Vanna durchgesetzt, nachdem das Momentum zwischenzeitlich zu kippen schien. Aleksandar Durovic gratuliert dem strahlenden Sieger fair, hat er ihn im Endspiel doch noch hart für den vollen Punkt arbeiten lassen.

Noch fünf Begegnungen laufen: An Brett 73 gewinnt Siegfried Mankus gegen Stefan Leichtle.

Da waren es noch drei: An Tisch 73 endet die partie zwischen Sebastian hartl-Kalies und Thomas Lieb mit einem Weißsieg des nominellen Außenseiters. Der Jugendleiter der Schachfreunde Augsburg, Dr. Vasko Isaković, muss sich indes Dr. Michael Tsiapouris von Rochade Augsburg geschlagen geben.

Nun läuft nur noch eine Partie: Brett 35, Erik Schaffer – Sara Vignesh.

Und auch diese ist jetzt beendet. Damit ist die zweite Runde komplett und wir gehen an die Auslosung und die weiteren Vorbereitungen für die Vormittagsrunde morgen. Daher beenden wir das Liveblog an dieser Stelle: Wir bedanken uns fürs Mitlesen, wünschen Euch noch einen schönen Abend und freuen uns darauf, Euch morgen wieder im Wittelsbacher Schloss zu Friedberg oder hier im Blog begrüßen zu dürfen.


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