4. Freundschachts-Open 2026, Tag 4: Es ist angerichtet!

Es ist so weit: Das große Finale hat begonnen. Nach einer kurzen Ansprache durch Hauptschiedsrichter Fabian Wölfle wird die siebte und letzte Runde des diesjährigen 4. Freundschachts-Opens der Schachfreunde Augsburg freigegeben. An diesem Vormittag werden die Entscheidungen fallen über Plätze, Preisgeld und Prestige. Wir berichten für Euch live aus dem großen Saal im Wittelsbacher Schloss zu Friedberg.

Ein Preisträger wurde bereits vor Rundenbeginn gekürt: Organisator Alexander Dommnich gab den Sieger unseres Schachquiz bekannt – es ist Markus Böhme vom SC Uttenreuth. Markus gelang es als Einzigem, alle fünf kniffligen Fragen richtig zu beantworten. Er darf sich über einen Gutschein vom Schachversand Niggemann freuen.

In der letzten Runde eines Turniers gibt es erfahrungsgemäß immer einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die friedlich gestimmt sind und ihre Partien mit einer schnellen Punkteteilung beschließen. Auf der anderen Seite stehen jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich noch Chancen auf einen der zahlreichen Preise ausrechnen, und darum kompromisslos auf den vollen Punkt spielen, immer mit einem Auge auf den Brettern der direkten Konkurrenten. Nach einer guten halben Stunde gibt es erst ein Kurzremis zu vermelden – an Kampfgeist scheint es heute also nicht zu mangeln. Die Zuschauer wird das gewiss freuen.

An den Spitzenbrettern dürfen sich heute aufstrebende Schachtalente mit den Meistern messen: Lokalmatador Vincent Blodig fordert GM Li Min Peng mit Schwarz heraus, Benedikt Heller von den SF München trifft mit Weiß auf IM Vadym Petrovskiy und der Beilngrieser Stanislaw Berlizov tritt mit den schwarzen Steinen gegen FM Lukas Stöttner vom SK Landau-Dingolfing an.

An Tisch 1 greift GM Peng zum Doppelschritt des Königsbauern und lenkt nach Vincents symmetrischer Erwiderung in ein Vierspringerspiel mit 4.d4 ein. Rasch werden die ersten rund 15 Züge herausgeblitzt, die Damen verschwinden vom Brett und es entsteht ein Endspiel, in dem Vincent über das Läuferpaar gebietet, dafür aber eine geschwächte Bauernstruktur in Kauf nehmen musste. Beide Kombattanten kennen sich hier augenscheinlich aus – ein spannendes Duell steht uns bevor.

Benedikt Heller bekommt es an Brett 2 mit Vadym Petrovskiys Najdorf-Sizilianer zu tun – eine klare Kampfansage des Internationalen Meisters von den SF Wolfhagen. Auch hier werden die ersten rund 15 Züge sehr schnell absolviert; die in der asymmetrischen Partieanlage ruhenden Ungleichgewichte versprechen den Zuschauern auch hier einen vollen Kampf.

Stanislaw Berlizov greift gegen FM Lukas Stöttner zur Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung. Dieses Abspiel gilt als schwer zu knacken für den Anziehenden; wir sind gespannt, wie der Garchinger Titelträger die Sache hier anpacken wird.

Ein Kurzsieg gelingt Lokalmatador Matti Hoffmann an Tisch 66 gegen Manfred Bieschke: In der sizilianischen Alapin-Variante wollte der Nachziehende den starken weißen Angriffsläufer abtauschen, übersah dabei aber einen typischen Doppelangriff der Dame und büßte eine Figur ein. Mit seinem zweiten Sieg im Turnier läuft Matti somit bei 3/7 in den Heimathafen ein, Manfred kommt auf 2/7.

Strategisch wünschenswert, doch taktisch verfehlt: Nach dem Läufertausch auf a6 kostete 10.Da4+ eine Figur in Hoffmann – Bieschke.

Am Spitzenbrett wird inzwischen ein Doppelturmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern diskutiert; Letztere begünstigen üblicherweise diejenige Partei, bei der die Initiative liegt. In Vincents Lager gibt es vier Bauerninseln, bei GM Peng nur deren zwei. Der Anziehende verfügt außerdem über einen Zeitvorteil von 20 Minuten. Entschieden ist hier aktuell noch nichts.

Benedikt Heller hat an Brett 2 einen kleinen Zeitvorsprung von rund zehn Minuten. Er wird in der vorliegenden Bauernstruktur, die an Sweshnikov-Sizilianisch erinnert, sein Glück wohl am Damenflügel versuchen. IM Petrovskiy hingegen dürfte seine Aufmerksamkeit eher dem Königsflügel zuwenden, wo auch bereits h7-h5 geschehen ist.

Bei FM Stöttner – St. Berlizov an Tisch 3 haben die beiden Kontrahenten ihre Könige an entgegengesetzten Flügeln in Sicherheit gebracht. Der Weißspieler hat daraufhin seinen g-Bauern bis nach g5 vorgestoßen, der Schwarze im Zentrum gekontert. Insgesamt wirken die Chancen des Anziehenden, der aufgrund seines Raumvorteils freier agieren kann, hier dennoch realer.

Eine nach Akiba Rubinstein benannte Variante diskutieren die Spieler auch an Brett 13; hier begann die Partie allerdings mit der Englischen Eröffnung. Rainer Wolf interpretiert die Variante modern und wählt einen Aufbau mit e3, Sge2 und frühem f2-f4. Die zurückgehaltenen Zentralbauern möchte er im richtigen Moment vorrücken und das Zentrum in Besitz nehmen. Gefällig wirkt auch das weiße Läuferpaar. Michael Iberl wird indes versuchen, die im weißen Lager entstandenen Felderschwächen mit seinen Leichtfiguren auszunutzen und die „hängenden Bauern“ auf der d- und e-Linie zu Angriffszielen zu stempeln.

Die englische Rubinstein-Variante, modern interpretiert von Weiß in Wolf – Iberl.

Auf h7 eingeschlagen hat es bei Ulrich Schrauder an Tisch 40: Sein Gegenüber Henri Wittenberger brachte nach einer Réti-Eröffnung das klassische Läuferopfer an, in dessen Folge der schwarze Monarch nach g6 gezwungen wurde. Das sieht unschön aus für den Nachziehenden, doch Ulrich Schrauder ist ein mit vielerlei Wassern gewaschener Turnierspieler, der so schnell die Flinte nicht ins Korn wirft. Er wird Henri hier beweisen lassen, ob das Opfer tatsächlich gerechtfertigt war.

An Tisch 53 duellieren sich Martin Felser und der junge österreichische Teilnehmer Eliah Meyer. Letztgenannter liegt mit 2½/6 aussichtsreich im Rennen um den Kategoriepreis U10 und würde hier natürlich gerne zumindest einen halben Zähler mitnehmen. Die Lage auf dem Brett sieht momentan allerdings eher seinen nominell favorisierten Kontrahenten in der Vorhand, der auf einen isolierten schwarzen Bauern auf d6 und die geschwächten schwarzen Felder in Eliahs Rochadestellung verweisen kann. Wird das junge Talent das Ruder hier noch herumreißen können?

Leider gibt es in dieser letzten Runde auch ein halbes Dutzend kampfloser Partien – so viele wie in keiner anderen Runde zuvor. Für die eine Stunde vergeblich Wartenden ist das verständlicherweise ein rechtes Ärgernis, denn vorherige Absagen gab es leider nur ganz vereinzelt.

Weit gereist ist Jan Petter Opedal aus dem norwegischen Orkland. An Brett 74 sitzt er noch dem DWZ- und Elo-losen David Mühlbauer vom SK Neumarkt gegenüber. Aus einer sizilianischen Verteidigung mit vertauschten Farben heraus hat Jan Petter sich ein vorteilhaftes Endspiel mit einer Mehrqualität erarbeitet und spielt hier auf den vollen Punkt. Sein Gegner, der hier das erste größere Schachturnier seiner Karriere spielt, hat im Turnierverlauf allerdings bereits unter Beweis gestellt, dass er nicht aufsteckt und auch in schlechten Stellungen noch manche Ressource aufzuspüren vermag.

Kann Schwarz in Opedal – Mühlbauer noch irgendwie tricksen?

Eine bemerkenswerte Figurenkonfiguration hat der Anziehende an Tisch 21 aufgebaut: Bei Weiß steht auf e1 ein Turm, auf f1 der König, auf g1 bewegungsunfähig die Dame und auf h1 ebenso bewegungsunfähig der andere Turm. Freiwillig hat sich Lokalmatador Dominik Schrumpf so gewiss nicht aufgestellt; sein Kontrahent Niklas Stark dürfte da schon ordentlich nachgeholfen haben.

Eine ungewöhnliche weiße Figurenkonfiguration bei Schrumpf – Stark.

In der Spitzenbegegnung rückt GM Li Min Peng am Königsflügel vor. Sein Zeitvorsprung auf Lokalmatador Vincent Blodig beträgt inzwischen fast eine Stunde; der Titelverteidiger spielt hier weiterhin sehr zügig. Vincent verteidigt seine Position aber nach wie vor anständig.

In der Partie Heller – IM Petrovskiy hat Benedikt gerade das thematische c4-c5 gezogen. Am anderen Flügel ist bereits f7-f5 geschehen. Wir sehen also das erwartete Flügelspiel; diese Begegnung dürfte noch etwas dauern.

Nicht mehr lange dauern wird es hingegen an Brett 3, wo FM Lukas Stöttner seinen Gegner Stanislaw Berlizov bei vollem Brett praktisch pattgesetzt hat: Nach nicht einmal 20 Zügen thront ein weißer Springer auf f6 und ein Turm auf d8. Der schwarze Springer auf f8 kann wegen des Matts auf g8 nicht ziehen; außer Spiel sind außerdem der an seinen Turm auf a8 gefesselte schwarze Läufer auf c8. Der Nachziehende wurde hier wirklich eindrucksvoll ausgespielt. Eine starke Vorstellung von Lukas, Hut ab!

Totale weiße Dominanz bei FM Stöttner – St. Berlizov: Schwarz ist paralysiert.

Rainer Wolf hat Michael Iberl soeben den Damentausch angeboten. Nach wie vor stehen die weißen Bauern auf e3 und d2 gegen die schwarzen Bauern auf f5 und c5. Der weiße Läufer auf c3 gebietet über eine schöne Diagonale; der schwarze Springer auf c6 wäre eine geeignete Blockadefigur für die „hängenden Bauern“ des Anziehenden. Schwarz verfügt über ein Zeitpolster von 15 Minuten.

Von Brett 1 wird uns ein Remis gemeldet. Vincent wird für seine zähe Verteidigungsleistung von GM Peng mit einem halben Punkt belohnt. Eine Rolle bei diesem Friedensschluss dürfte auch die Position an Tisch 3 gespielt haben, wo Stanislaw Berlizov, der dritte Spieler mit 5/6, mit dem Rücken zur Wand steht und nicht mehr zum Großmeister mit jetzt 6/7 wird aufschließen können. Vincent beendet ein starkes Turnier mit 5½/7 und wird sich heute Abend auf jeden Fall über einen Geldpreis freuen können – und natürlich über ein Unentschieden gegen einen gestandenen Großmeister mit knapp 2600 Elo!

Nach 38 Zügen wurde in GM Peng – Blodig die Punkteteilung unterzeichnet.

Und da händigt auch FM Lukas Stöttner die Partieformulare ein. Wie erwartet brach Stanislaw Berlizovs Stellung kurz nach dem letzten Rundgang des Berichterstatters auseinander. Lukas kommt damit auf 5½/7 und schließt in das erste Verfolgerfeld auf. Stanislaw kann trotz der Lehrstunde, die ihm heute erteilt wurde, erneut auf ein starkes Turnier im Wittelsbacher Schloss zu Friedberg zurückblicken. Von ihm werden wir gewiss nicht zum letzten Mal gehört haben.

Ulrich Schrauder ist es an Tisch 40 gelungen, seinen König auf f8 wieder in relative Sicherheit zu bringen. Materiell hält er zwei Figuren für Turm und zwei Bauern, dazu ein Zeitplus von 35 Minuten. Henri Wittenbergers Figuren stehen nichtsdestotrotz aktiv; auf der Suche nach der besten Fortsetzung muss er allerdings etwas auf die Uhr achten.

Martin Felser hat Eliah Meyers schwachen Bauern auf d6 erobert. Der junge Österreicher lässt sich davon jedoch nicht beirren und versucht, den weißen Bauern auf d5 unter starkes Feuer zu nehmen. Der Anziehende überlegt an seinem nächsten Zug; ob er wohl über das Qualitätsopfer dxc6 nachdenkt?

Felser – Meyer: Das Qualitätsopfer 27.dxc6 sieht verlockend aus.

Die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließ sich unser norwegischer Gast Jan Petter Opedal. Er erzwang den Turmtausch und wich im Anschluss geschickt allen Gabelversuchen seines Gegners aus. Nach 58 Zügen stellte David Mühlbauer seinen Widerstand schließlich ein und gratulierte Jan Petter zum Sieg. Beide hatten an ihrer Partie augenscheinlich Spaß und wir würden uns freuen, wenn wir sie auch 2027 wieder bei uns begrüßen dürften.

In der Begegnung zwischen Benedikt Heller und IM Vadym Petrovskiy an Brett 2 lässt sich ein schwarzer Mehrbauer konstatieren. Der Zeitverbrauch beider Kombattanten ist gleich; ungleich sind hingegen die auf dem Brett verbliebenen Läufer. Benedikt hat seine Dame ins schwarze Lager eingeschleust; gerne würde er den Turm dazuholen, doch hindert ihn seine Grundreihenschwäche im Moment daran. Diese Partie sei den Zuschauern zum Kiebitzen empfohlen.

Michael Iberl akzeptierte in seiner Partie gegen Rainer Wolf den Damentausch und offerierte gleichzeitig ein Unentschieden, welches sein Gegenüber nach kurzem Überlegen akzeptierte. Damit gehen beide Spieler mit 4½ Punkten über die Ziellinie.

Den Sieg davongetragen hat Niklas Stark in seiner Partie gegen Lokalmatador Dominik Schrumpf. Dem Anziehenden wurde seine unglückliche Figurenaufstellung letztlich zum Verhängnis und zehn Züge nach der obigen Diagrammstellung zappelte der weiße Monarch in einem Mattnetz, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Niklas erreicht damit 4½ Punkte, Dominik kommt auf 50 Prozent.

Henri Wittenberger konnte seine Position gegen Ulrich Schrauder konsolidieren und spielt nun ein Endspiel mit Turm gegen Springer, bei jeweils drei Bauern. Das sieht gut aus für den Anziehenden an Tisch 40, der die Zeitkontrolle erfolgreich passiert hat.

Wittenberger – Schrauder: Hier brennt für den Anziehenden nichts mehr an.

Martin Felser hat sich gegen das oben erwähnte Qualitätsopfer entschieden und stattdessen geduldig seinen Mehrbauern konserviert, zu dem sich mittlerweile ein zweiter gesellt hat. Eliah Meyer müht sich nach Kräften, Chancen zu generieren, doch der Weiße spielt das hier bislang sehr kontrolliert und lässt nicht den Eindruck aufkommen, als würde er seinen jungen Kontrahenten noch einmal in die Partie zurückfinden lassen.

Entschieden ist der Kampf an Brett 2: IM Vadym Petrovskiy ringt Benedikt Heller nach 49 Zügen nieder und überholt damit in der Tabelle seinen Trainer GM Li Min Peng. Kurz nach der Zeitkontrolle sah Benedikt sich angesichts des stetig anwachsenden Drucks des Nachziehenden genötigt, eine Figur zu geben. Den weißen Freibauern auf der d-Linie neutralisierte der Internationale Meister im Anschluss mühelos und durfte nach dem Fall des Bauern die Glückwünsche seines Gegners entgegennehmen, denen wir uns an dieser Stelle gerne anschließen. Mit 6½/7 ist der Wolfhagener ein würdiger Turniersieger; Benedikt wird mit seinen 5/7 aber gewiss auch nicht unzufrieden sein.

Der Schlusspunkt im Kampf um den Platz an der Sonne: Weiß gab auf in Heller – IM Petrovskiy.

Gewonnen haben auch Henri Wittenberger an Tisch 40 und Martin Felser an Brett 53. Henri führte sein vorteilhaftes Endspiel mit Mehrqualität gegen Ulrich Schrauder konzentriert zum Sieg und erzielt 4/7. Martin zeigte dem U10-Spieler Eliah Meyer heute noch einmal die Grenzen auf und besserte sein Punktekonto auf 50 Prozent auf. Für Eliah bleibt es bei 2½ Punkten – trotzdem eine gute Leistung des jungen Österreichers, von dem wir in Zukunft gewiss noch hören werden.

Es laufen noch zwei Partien im großen Saal des Wittelsbacher Schlosses. Gerade beendet wurde das Spiel an Tisch 24, wo Lutz Kemp Jakob Scholl bezwingen konnte.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Rafael Martin Fernandez und Johannes Dombert trennen sich nach einer komplexen Kampfpartie mit einem gerechten Unentschieden. Die letzte Partie des diesjährigen Freundschachts-Opens bestreiten Helmut Utz und Ricardo Ueberschär; hier dürfte die Messe aber auch sehr bald gelesen sein, da Weiß seinen Gegner kurz vor dem Matt hat.

Und nun ist es amtlich: Helmut Utz siegt an Tisch 30. Damit sind alle Partien zu Ende. Wir bereiten den Saal nun für die Siegerehrung vor. Da dafür alle Hände gebraucht werden, beenden wir das Liveblog für dieses Jahr. Einen herzlichen Dank an alle, die wieder mitgefiebert haben, und gerne bis zum nächsten Jahr, wenn es im Wittelsbacher Schloss zu Beginn der Herbstferien dann wieder heißt: „Bretter frei!“


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