Auflösung des Schachquiz
Tja. So wird das nichts. 166 Strategen und alle so brav. Die Frage war: „Was ist deiner Meinung nach die beste Eröffnung, außer Sizilianisch?“ Und niemand von euch hat „Sizilianisch“ geantwortet! Ihr sagt wahrscheinlich auch Ja, wenn der Gegner fragt, ob ihr aufgebt. Mensch! Sizilianisch wäre natürlich die richtige Antwort gewesen. Stattdessen: haufenweise Damengambit (12-mal und damit eure Lieblingseröffnung, geht’s noch?), Katalanisch, Spanisch, Italienisch, Kalmückisch und sogar, mon Dieu, Französisch. Das hatten dann beim Quiz natürlich auch nicht viele richtig.
Na schön, Eröffnung ist also nicht so euer Ding. Schauen wir mal, wie es mit der Analyse ausschaut. Folgende Stellung gab es bei Aufgabe 2:

Nein, der Sb8 ist nicht despawnt. Irgendwas muss den schon geschlagen haben. Vielleicht die weiße Dame? So als Arbeitshypothese. Haha. Dachten viele von euch. Aber der Sb8 ist der Sg8. Wenn man auf diese Idee kommt, ist es einfach:
- e4 d6 2. Dh5 Sd7 3. Dxh7 Sdf6 4. Dxg8 Sxg8 et voilà.
Also schön. Vielleicht seid ihr ja gute Schiedsrichter. Das müsste doch wenigstens gehen. Aufgabe 3:
Romeo spielt gegen Julia bei einem Schachturnier eine Partie. Er ist sehr in sie verliebt und will die Chance nutzen. Er zieht seine Steine in der Partie regelgerecht so, dass sie aus Evas (das ist Julias Zweitname) Sicht ein Herz bilden. Dabei sieht er sie schmachtend an. Greift der Schiedsrichter ein, weil es einen Regelverstoß gibt? Auf keinen Fall in die FIDE-Regeln gucken!
Merkt es euch für die wichtigen Momente im Leben: Es ist nie verboten, Herz zu zeigen. Auch nicht beim Schach. Man muss sich aber auch nicht endlos anschmachten lassen, wenn einem nicht danach ist. Hätte sich Julia also beschwert, dann hätte der Schiedsrichter Romeo die Ohren lang gezogen. Sonst aber nicht, also Antwort 3.
Wenn Schach nun überhaupt nicht euer Spiel ist, dann zockt ihr bestimmt was anderes und Frage 4 war für euch hervorragend geeignet, denn da ging es um Computer:
Drei verschiedene Spieler haben je 20 Züge mit Schwarz gegen den gleichen Gegner gespielt: (1) die KI Claude Haiku 5.5 (das ist das viertstärkste LLM von Anthropic), (2) ein Mensch mit Lichess-Blitz-Wertungszahl 1310, (3) Stockfish bei Lichess auf niedrigster Stufe 1. Wer hat welche Partie gespielt? Ordne die Nummer zu.
a) Nr.: 3 Partie: 1. e4 e5 2. Nc3 Nc6 3. Bc4 Nd4 4. Nf3 Qe7 5. Nd5 Qd6 6. O-O b5 7. Nxd4 a6 8. Nf5 bxc4 9. Nxd6+ Kd8 10. Nxf7+ Ke8 11. Qf3 c6 12. Nc7+ Ke7 13. Nxh8 d5 14. Qf7+ Kd6 15. b4 Bg4 16. Ne8+ Rxe8 17. Qxe8 a5 18. Nf7+ Kc7 19. Qd8+ Kb7 20. bxa5 Be2
b) Nr.: 1 Partie: 1. e4 e5 2. Nc3 Nf6 3. Bc4 Bc5 4. f4 exf4 5. Nf3 d6 6. d4 Bb6 7. Bxf4 Nc6 8. Qd3 Bg4 9. O-O-O Nb4 10. Bxf7+ Kxf7 11. Qc4+ Ke8 12. Qxb4 Bxf3 13. gxf3 Qe7 14. Rhe1 Bc5 15. dxc5 dxc5 16. Qxb7 Rb8 17. Qxb8+ Qd8 18. Rxd8+ Kf7 19. Qxc7+ Ke6 20. Rd6#
c) Nr.: 2 Partie: 1. e4 c6 2. c4 d5 3. cxd5 cxd5 4. exd5 Qxd5 5. Nc3 Qd8 6. d4 Nc6 7. Bb5 Bd7 8. Nf3 a6 9. Bc4 b5 10. Bb3 e6 11. O-O Nf6 12. d5 exd5 13. Re1+ Be7 14. Nxd5 Nxd5 15. Qxd5 O-O 16. Bg5 Be6 17. Qxc6 Bxb3 18. Bxe7 Rc8 19. Bxd8 Rxc6 20. Be7 Rfc8
Tja, die KI hat sich einfach matt setzen lassen. Nicht so schlau.
In der letzten Frage wollten wir es euch einfach machen und wählten eine Stellung, wie ihr sie oft auf dem Brett habt:

Das war die Frage:
Willi Weiß spielt gegen Stanislaw Schwarz im Finale des großen Pokals nach Standardbedenkzeit (Modus: Best of 1, es ist also nur eine Partie vorgesehen, bei Remis gibt es zwei Pokalsieger). Diese Stellung entsteht. Schwarz ist am Zug. Ist es möglich, dass Weiß in diesem Finale des großen Pokals regelgerecht noch rochiert? Warum? Natürlich ist es auch hier streng verboten, für die Antwort in den FIDE-Regeln nachzuschauen!
Da seid ihr richtig kreativ geworden! Unsere eigentliche Lösung war: Stanislaw hebt die Dame, schaut Willi triumphierend an, führt sie nach e6 und will seinem Gegner schon „Matt!“ ins Gesicht prusten, da hält Willi plötzlich die Uhr an, hebt den Arm und ruft den Schiri. Er reklamiert, dass die Grundstellung am Anfang der Partie falsch gewesen sei. Der Schiedsrichter lässt sich überzeugen und die FIDE-Regeln kennen in diesem Fall nur einen Ausweg: Die Partie muss wiederholt werden. Da es sich immer noch um das Pokalfinale handelt, kann Willi Weiß also doch noch rochieren – und lässt sich hoffentlich wiederum nicht matt setzen.
Nicht selten haben wir folgende Lösung gelesen, die wir ebenfalls haben gelten lassen: Im letzten Zug vor der zu sehenden Stellung hat Weiß erst einen Stein berührt, zum Beispiel den Läufer auf g2, und dann gegen die Regeln den König von e1 nach d5 gezogen. Nun muss er das zu seinem Glück zurücknehmen und den zuerst berührten Stein ziehen. Später darf er dann rochieren, sofern König und Turm h1 sich noch nicht bewegt haben.
Eine besonders schöne – und ebenso korrekte! – Lösung hatte Hendrik Ondrouschek:

Als Einziger hatte aber Markus Böhme alle fünf Fragen korrekt beantwortet, weshalb er den Gutschein über 15 Euro beim Schachversand Niggemann erhielt. Alle anderen seien getröstet: Auch Großmeister Li Min Peng hat nur die zweite Frage korrekt beantwortet, dies allerdings mitten in einer Turnierpartie, als er am Zug war.


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