Freundschachts-Open 2026, Tag 2: Die Vormittagsrunde hat begonnen!

Einen wunderschönen guten Morgen aus dem Wittelsbacher Schloss zu Friedberg! Pünktlich um 9 Uhr startet Hauptschiedsrichter Fabian Wölfle die 3. Runde und die Uhren werden in Gang gesetzt. Nicht alle Schachfreunde sitzen schon an ihren Brettern, doch bei einer Stunde Karenzzeit stellt das kein Problem dar. Wir berichten für Euch wieder live aus dem großen Saal vom Geschehen auf den 64 Feldern, die die Welt bedeuten.

Nach 25 Minuten erreicht uns bereits das erste Ergebnis: An Tisch 52 besiegt Maximilian Buchhammer seinen Kontrahenten Mario Müller in gerade einmal 17 Zügen und hat jetzt Gelegenheit, sich ausgiebig die Stadt anzuschauen.

Spannende Paarungen haben sich an den ersten drei Brettern ergeben. GM Li Min Peng eröffnet gegen den Beilngrieser Stanislaw Berlizov, der seine Zähigkeit schon mehr als einmal unter Beweis gestellt hat, mit dem Doppelschritt des Königsbauern. Stanislaw denkt kurz nach und entscheidet sich dann für die solide Französische Verteidigung. Der Großmeister wählt die Abtauschvariante, geht dann aber aggressiv am Damenflügel zu Werke.

IM Vadym Petrovskiy bekommt es am zweiten Tisch mit Maximilian Dauer von der Spielgemeinschaft Kötz/Ichenhausen zu tun. Den d6-Sizilianer des Meisters bekämpft Maximilian im Geiste Michael Adams mit 3.Lc4, was das Spiel bereits von vertrauten Theoriepfaden abbringt und eher einen geschlossenen Stellungstyp im spanischen Stil verspricht.

Ein Duell zweier Nachwuchshoffnungen wird den Zuschauern an Brett 3 geboten: Lokalmatador Quang Bach Duong nimmt es mit Moritz Ramming vom SK Kelheim auf. In einem sizilianischen Vierspringerspiel steht Quangs König bald auf f3, was zunächst etwas ungewöhnlich anmuten mag; dem Zeitverbrauch der beiden Kombattanten nach zu urteilen, befinden sie sich aber noch in ihrer häuslichen Eröffnungsvorbereitung. Diese Partie sollte man im Auge behalten.

Ein frühes Endspiel üben Lokalmatador Robert Vučković und FM Nikolas Schenk-Pogan an Tisch 6. In der Caro-Kann-Verteidigung werden schnell die Damen getauscht und bei symmetrischer Bauernstruktur entspinnt sich ein Manövrierkampf um die besseren Positionen für die eigenen Leichtfiguren. Wer Positionsschach liebt, sollte hier vorbeischauen.

An Tisch 21 beharken sich Benedikt Heller von den SF München und Maximilian Hartl vom TSV Landsberg. In einer Pirc-Ufimzew-Verteidigung gestattet Maximilian seinem Gegner, seinen e-Bauern bis nach e6 vorzustoßen – ein Bauernopfer zwar, doch eines, das in aller Regel für den Nachziehenden nichts Gutes verheißt, da die schwarze Struktur nachhaltig geschwächt wird. Benedikt wirkt zufrieden mit seiner Stellung.

Überschlagen haben sich die Ereignisse an Tisch 38 zwischen Wolfgang Koelbl und Daniel Kossa. In einem Londoner System, bisweilen als „trockene Remis-Eröffnung“ verschrien, hat der Nachziehende früh Öl ins Feuer gegossen und unter Figurenopfer den Turm in der Ecke mit seiner Dame erobert. Der Preis dafür war allerdings hoch, denn Weiß bekämpfte Feuer mit Feuer und nutzte die Abwesenheit der schwarzen Königin aus, um seinerseits deren Gemahl ins Visier zu nehmen. Inzwischen hat Wolfgang Koelbl seinen Turm zurückgewonnen und damit momentan eine Leichtfigur mehr, doch hängen bei ihm auch deren zwei. Beide Königsflügel sind praktisch unentwickelt; vor allem aber ist der schwarze Monarch sehr schwach. Es macht Spaß, hier zuzuschauen.

Das Londoner System ist langweilig? Nicht so bei Koelbl – Kossa an Tisch 38.

Eine Begegnung zweier Damen bekommt das Publikum an Brett 60 geboten: Lokalmatadorin Polina Krupka gegen Oda Lorenz von der SG Augsburg. Lorenz, ein echtes Urgestein des bayerischen Damenschachs, hat ihrer jungen Kontrahentin natürlich Jahrzehnte an Schacherfahrung voraus. In einer ruhigen Italienischen Partie lässt sie Polina am Königsflügel anrennen und setzt dann im passenden Moment einen Konter im Zentrum des Brettes. Hier neigt sich die Waagschale in Richtung der Nachziehenden.

An Tisch 75 duellieren sich zwei unserer Open-Gäste der ersten Stunde: Johannes Bosch mit Weiß gegen Peter Heil mit den schwarzen Steinen. Gegen den Damengambit-Aufschlag schickt Peter seine geliebte Holländische Verteidigung ins Rennen und kann im frühen Mittelspiel auf gute Zentrumskontrolle und einen Vorpostenspringer auf d4 verweisen. Seine Königsstellung weist ein paar weißfeldrige Schwächen auf, doch scheint der Anziehende dies einstweilen nicht ausnutzen zu können.

Leider gab es in dieser Runde drei kampflose Verlustpartien wegen Nichtantretens. Außerdem musste gerade eine Partie wegen einer Smartwatch, die in einer Tasche Geräusche von sich gab, genullt werden. An dieser Stelle noch einmal der dringende Appell, elektronische Geräte vollständig auszuschalten.

In der Spitzenbegegnung hat GM Peng nach seinen Damenflügelbauern nun auch seinen g-Bauern in die schwarze Bretthälfte vorgestoßen, trotz eigenem kurz rochierten König. Seinem Läuferpaar kommt die offene Stellung prinzipiell zugute; zudem ist der schwarze Springer auf b8 bisher noch nicht aus seinem Stall gekommen. Stanislaw Berlizovs Dame bedroht allerdings gerade den weißen Bauern auf h3, zu dessen Verteidigung sich der Anziehende angesichts der geschwächten Felder am Königsflügel möglicherweise etwas verkünsteln muss.

Wie soll man sich um den Bauern auf h3 kümmern? Antwort des Großmeisters: Gar nicht, 20.Se5!

Maximilian Dauer hat an Brett 2 ein Figurenscheinopfer gebracht, um den investierten Läufer mittels Bauerngabel unmittelbar zurückzugewinnen. IM Petrovskiy antwortet mit einem Zwischenzug, den Weiß aber gewiss einkalkuliert hat. Der weiße Zentrumsbauer auf d4 könnte im weiteren Verlauf vielleicht einmal schwach werden, doch entschieden ist hier noch lange nichts.

An Tisch 3 gebietet Quang Bach Duong über einigen Raumvorteil. Der schwarze Bauer auf d7 ist rückständig, die weiße Dame eben auf e7 aufgetaucht. Moritz Ramming zeigt sich indes wenig beeindruckt und schickt sich an, seinerseits mit der Dame den weißen König auf f3 zu behelligen.

FM Schenk-Pogan musste an Brett 6 einen Doppelbauern auf h7/h6 hinnehmen. Auch der weiße Springer auf c4 wirkt gefälliger als der formal schlechte schwarze Läufer auf e7. Das Spiel entwickelt sich hier nach wie vor sehr gediegen, aber Robert Vučković dürfte bis hier mit dem Partieverlauf sehr einverstanden sein.

Ähnlich müsste es Benedikt Heller an Tisch 21 ergehen: Infolge seines Bauernvorstoßes nach e6 sind in Maximilian Hartls Position weißfeldrige Schwächen entstanden; auch der schwarze König auf f7 sowie der isolierte Bauer auf e6 sind anfällig. Ein logischer Plan für den Anziehenden könnte nun darin bestehen, den Zug f4-f5 durchzusetzen, um die Zugstraßen Richtung schwarzem Monarchen vollends zu öffnen.

Bereits beendet ist die Schlacht an Brett 38: Als sich der Pulverdampf gelegt hatte, war Wolfgang Koelbl mit einer gesunden Mehrfigur aus den Verwicklungen hervorgegangen. Sein Gegenüber Daniel Kossa sah rasch ein, dass weiterer Widerstand hier vergebene Liebesmühe sein würde, und reichte die Hand zur Aufgabe. Wolfgang steht damit bei 2/3 und darf nun erst einmal eine lange Mittagspause genießen.

Ebenfalls vorbei ist die Begegnung an Tisch 60: Oda Lorenz trieb Polina Krupkas König bis tief ins schwarze Lager und holte dort dann zum finalen Schlag aus. Das Matt wollte ihre Gegnerin sich dann nicht mehr zeigen lassen und gab die Partie verloren. Auch Oda Lorenz steht damit bei 2/3; Polina kann aus dieser Niederlage sicherlich eine wertvolle Lektion für ihre weitere schachliche Entwicklung mitnehmen.

Die Endstellung bei Krupka – Lorenz: 32…Dc6# ist nicht mehr zu verhindern.

Johannes Bosch ist gegen Peter Heil eine Leichtfigur abhandengekommen: Nach dem Rückzug seines Springers nach f3 fehlte dem weißen Läufer auf d5 plötzlich eine Ausweichmöglichkeit und Peter ließ sich mit c7-c6 nicht zweimal bitten. Immerhin konnte der Anziehende noch zwei Bauern dafür herausschlagen, doch sollte sich die Mehrfigur natürlich als gewichtiger erweisen.

Von den Brettern 1 bis 3 werden uns die Ergebnisse gemeldet: Es gab unisono Favoritensiege für GM Li Min Peng, IM Vadym Petrovskiy und Quang Bach Duong, die mit 3/3 weiterhin von der Tabellenspitze grüßen. Details folgen, sobald wir die Partien erfasst haben.

Robert Vučkovićs Springer auf d5 ist nach wie vor eine Zierde seiner Zunft. Allerdings ist es FM Schenk-Pogan gelungen, einen Bauern zu gewinnen, sodass er nun über einen entfernten Freibauern auf der a-Linie verfügt. Dieser könnte sich, unterstützt von seinem Turm auf a8, der weißen Grundreihe alsbald gefährlich nähern.

Benedikt Heller hat gegen Maximilian Hartl einen Bauern ins Geschäft gesteckt. Die unglückliche Position der schwarzen Dame, die auf h8 bewegungsunfähig eingesperrt ist, steht sinnbildlich für die überlegene Aktivität des Anziehenden, der hier weiterhin am Drücker ist.

Ein Favoritensturz könnte sich an Brett 7 anbahnen, wo Peter Nagy gegen Rafael Martin Fernandez im Endspiel mit Dame und Springer einen gesunden Mehrbauern sein Eigen nennt. Zudem verfügt der Nachziehende über einen gewissen Raumvorteil. Gelingt Peter nach seinem Erfolg über Lokalmatador Vincent Blodig gestern Nachmittag hier gleich der nächste Coup?

Peter Heil gewinnt sein Endspiel gegen Johannes Bosch und sichert sich seinen ersten Punkt beim diesjährigen Freundschachts-Open. Nachdem er den Turmtausch erzwungen hatte, brach der Widerstand des Anziehenden rasch zusammen. Johannes Bosch wartet noch auf sein erstes Erfolgserlebnis, doch wir sind zuversichtlich, dass sich dieses in den verbleibenden vier Runden noch einstellen wird.

Und auch Benedikt Heller meldet Vollzug: Er gewinnt eine gut geführte Partie gegen Maximilian Hartl und schraubt sein Punktekonto damit verdient auf 2/3.

Nach gut drei Stunden laufen noch so einige Partien, insbesondere, aber nicht nur, in der vorderen Turnierhälfte.


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